Aufbau einer Rettungstauchergruppe für das Gemeindegebiet

Mehrere Einsätze auf Kreisebene hatten bis zum Jahresende 2000 deutlich gezeigt, dass bei Wasserunfällen mit vermissten Personen spezialisierte Einsatztaucher das wichtigste Einsatzmedium sind. Betroffene Angehörige von im Wasser vermissten Personen reagieren meist mit Unverständnis, wenn alarmierte Rettungskräfte scheinbar nur tatenlos herumstehen. Dass diese Rettungskräfte, insbesondere die örtlichen Feuerwehren, aber selbst über keine Einsatztaucher verfügen, wird dann nicht berücksichtigt bzw. interessiert in dieser Notlage nicht. Aber solche spezialiserten Einsatztaucher sind in den wenigsten Gemeinden einsatztaktisch organisiert angesiedelt.

Für das Gemeindegebiet Schwalbach sollte sich das nun ändern. Daher wurde ab Anfang 2001 von der DLRG Ortsgruppe Schwalbach eine eigene Einatztaucherstaffel für künftige Einsätze in der Wasserrettung ausgebildet  und ausgestattet.  Ihr Einsatz wird – und das sollte Vorbildcharakter für eine gute Zusammenarbeit von Rettungsorganisationen sein – in engerKooperation mit der Freiwilligen Feuerwehr Schwalbach erfolgen. Neben der personellen Zusammenarbeit wird dabei auch auf bereits vorhandenes Equipment und bewährte Organisations- und Einsatzstrukturen der Feuerwehr zurückgegriffen. Auch wenn sich die Einsatzgebiete unserer Einsatzstaucher bei Gründung zunächst auf die vorhanden Wasserflächen in der Gemeinde Schwalbach reduzieren, so stellen gerade diese kleineren Eis- und Wasserflächen, wie Fischweiher und Waldseen, ein nicht zu unterschätzendes Gefahrenpotential,  insbesondere für Kinder dar. Heute steht die Einsatztauchergruppe auch für überegionale Einsätze zur Verfügung.

Zu Beginn des Jahres 2001 bestand die Einsatztauchergruppe aus 2 ausgebildete Einatztaucher, die schon mehrfach im Rahmen einer früher existenten Inheit ihre Fähigkeiten bei Einsätzen unter Beweis stellen konnten.  "Kurzerhand" durchliefen 4 weitere Kameraden den Ausbildungsgang zum Einsatztaucher. "Kurzerhand ?" -  immerhin dauerte diese umfangreiche Qualifizierung über ein ganzes  Jahr. Parallel wurde aber auch schon der nächste Schritt in Richtung dauerhafte Sicherung dieser Einheit  unternommen und mehrere Nachwuchskräfte zum Gerätetaucher (Vorstufe) ausgebildet.

Ein Teil der Ausbildung wurde in Zusammenarbeit mit der privaten Tauchschule Reiner Velten aus Saarwellingen durchgeführt. Reiner, der selbst als DLRG-Einsatztaucher angefangen hat und zwischenzeitlich als Tauchlehrer tätig ist, hat uns dabei u.a. mit Gerätschaften und Prüfungsabnahmen ganz erheblich unterstützt.

Obwohl sich die Taucherstaffel unserer Ortsgruppe hinsichtlich Ausbildung, Material und Einsatzkoordination noch im Aufbau befand, kamen bereits zwei Einsatztaucher im Rahmen eines Ertrinkungsunfalls am 15.08.2001 in der Nied bei Siersburg zum Einsatz. Leider war trotz des schnellen Auffindens des neunjährigen Jungen nicht mehr möglich, ihn lebend zu bergen.  Ein Einsatz, der alle Beteiligten betroffen gemacht hat. Aber auch das gehört u.a. zum Aufgabengebiet eines Rettungstauchers.  Es erstreckt sich vom Suchen, Retten und Bergen von vermissten Personen aus Gewässern und untergegangenen Fahrzeugen, ja sogar aus Eisflächen.

Ein Einsatz-Tauchtrupp besteht dabei aus mindestens drei Personen: einem Einsatz-Taucher, einem Reserve-(Sicherungs-)taucher und einem Signalmann (Leinenführer). Der Signalmann sichert den Einsatztaucher mittels Sicherungsleine nach außen hin ab und leitet den Taucher über Leinenzugzeichen in die entsprechende Richtung.  Dadurch können Suchtechniken effektiver eingesetzt und Wasserflächen detailliert abgesucht werden.

Selbst in stark verschmutzten Gewässern können Einsatztaucher zum Einsatz kommen. Zum Eigenschutz wird dabei auf Geräte mit Vollgesichtsmasken zurück gegriffen. Der Bezirk Saarlouis verfügt derzeit über drei Interspiro MK-II Tauchgeräte, die bei solchen Bedingungen zum Einsatz kommen. Eine Einweisung in den Umgang mit diesen Spezialgeräten ist Gegenstand der Rettungstauchausbildung.

 

Zwischenzeitlich verfügt die Ortsgruppe über Vollgesichtsmasken mit UW-Sprechfunk, so dass die Taucher unter Wasser auch mit der Einsatzleitung und dem Signalmann verbal kommunizieren können.

Am 26.09.2001 konnte der Vorsitzende der Ortsgruppe Thomas Warken den Bürgermeister Eberhard Blaß und den für das Hallenfreibad zuständigen Fachbereichsleiter Diethmar Herges in der Rettungswache willkommen heißen. Der Bürgermeister war einer Einladung der Ortsgruppe gefolgt, sich selbst ein Bild vom derzeitigen Ausbildungsstand der Einsatztaucher zu machen. Thomas bedankte sich dabei für das Interesse an unserer Arbeit und die bisherige Unterstützung der Ortsgruppe durch den Bürgermeister und den Gemeinderat.

Der Taucheinsatzführer der Gruppe stellte das Gesamtkonzept der Ortsgruppe vor. Im bereits vom Algenwachstum befallenen und dadurch grün schimmernden Freibadwasser gaben die in der Ausbildung befindlichen Taucher einen Einblick über die bereits vorhandene  Leistungsfähigkeit und zeigten Elemente  eines Such- und Bergeeinsatzes. Bürgermeister Blaß lobte insbesondere den Enthusiasmus und das Engagement der Taucher bei diesem hoch qualifizierten Ausbildungsgang.

Der Taucheinsatzführer erklärte dabei den interessierten Gästen die umfangreiche Ausrüstung eines Rettungstauchers. Die enormen Kosten für die Ausstattung eines Einsatztauchers werden u.a. durch die strengen Vorschriften der Versicherungsträger, z.B. der GuV-R 2101, und etwaiger EN/DIN-Richtlinien verursacht. Nicht nur dadurch unterscheidet sich die Ausrüstung eines Einsatztauchers ganz erheblich von der eines Sporttauchers. Da durch diese Vorschriften nicht nur die Anschaffungskosten, sondern auch die Unterhaltungskosten für das Einsatzmaterial sehr hoch ausfallen, werden stets weitere Sponsoren für die Unterstützung dieses Projektes gesucht. Auch die kleinste Geldspende wird dabei hoch angerechnet und sinnvoll verwendet; Spendenbescheinigungen können auf Wunsch ausgestellt werden.   Wir sind davon überzeugt, durch den Aufbau einer Einsatztauchergruppe und die Kooperation mit der Freiwilligen Feuerwehr Schwalbach einen weiteren, wichtige Beitrag zur Wasserrettung im Interesse der Schwalbacher Bevölkerung geleistet zu haben.